Du hattest das Bild gezeichnet:
Da bist Du eiiiiinmal auf die Rennstrecke gefahren, und sofort waren alle möglichen Dinge kaputt. Und da gabs dann eben Gegenwind, weil das so ganz generell nicht normal ist.
Ich habe (ich glaube) 7 Trackdays je ca. 15 Runden Nordschleife, also über 100 Runden und ca. 2300 km sowie 2 Trackdays in Oschersleben mit 5x20 Minuten mit meinem S abgespult. Dazu paar Touren durch die Alpen und anfangs auch echt viel Autobahn Vollgas.
Eine Faustregel sagte mal irgendwer: 1km Nordschleife am Limit ist wie 70km im normalen Straßenverkehr. Kannst ja mal rechnen, wieviel mein S dann so "virtuell" runter hätte: 125.000km Straße zzgl. ca. 3.000km Rennstrecke ergäbe demnach 125.000 + 210.000 > 300.000km. Wers glauben will
Faustregeln sind ja nett... aber eben nur Faustregeln. Was ist da also dran?! Es folgt meine Meinung nach heutigem Wissensstand...
Was bedeutet Rennstrecke fürs Auto?
1. Die ganze Zeit VTEC.
2. Bei Kuppen und in Kurven Gefahr, Luft statt Öl anzusaugen.
3. OEM-Bremsen werden ständig ans Limit gebracht.
4. Starke Schläge und Vibrationen durchs ganze Auto (Kerbs etc.), also Radlager, Achsbuchsen und Chassis. Das Fahrwerk kann das ab, deswegen zähle ich das hier nicht auf.
5. Das, was ich jetzt vergessen habe.
Meine Erfahrungen zu den Punkten:
Zu 1.:
Motoröl: Das Motoröl unterliegt einer viel viel höheren Belastung und idR auch dauerhaft hohen Temperarturen, die das Öl sehr stark verschleißen lassen. Da Öl nichts kostet, macht man das nach nem Trackday besser neu. Wer wegen z.B. Nähe zu einer Rennstrecke öfter fährt, wird die Ölfarbe hoffentlich gut im Auge behalten. Wenn man das Öl nicht viel früher raus macht als eigentlich üblich, dem kann das passieren, was ich geschafft habe: Motorschaden. Jetzt denkst Du sicher: "Siehste, sag ich doch!" Aber: Honda verkürzt gemäß WHB/Manual in heißen Ländern und unter erschwerten Bedingungen die S2000 Ölwechselintervalle auf bis zu 5000km!!! Wieso sollte man dann mehr als 5000km mit einem Öl fahren, dass Rennstrecke aushalten musste?!
Mechanischer Verschleiß: Sicher hat man auch generell höheren Verschleiß im Motor und Antrieb. Mein bei 100.000km gestorbener Motor zeigte keine auffallenden, unüblichen Verschleißspuren. Dass einem der Motor nach einem Rennstreckenbesuch um die Ohren fliegt, ist IMHO quatsch.
Antrieb: Das Gesamtspiel im Antrieb, also Kardan, Diff und Antriebswellen ist heute deutlich größer als früher. Ich müsste es mit einem anderen S vergleichen, der auch etwa 128.000km gefahren hat, aber keine Rennstrecke sah. WIE neu ist mein S nicht mehr. Keine Frage. Aber ich habe im Antrieb noch die ersten Teile drin. Antriebswellen-Innengelenke kamen mal neu, weil nach Tieferlegung Vibrationen da waren. Ohne Tieferlegung wäre das nicht notwendig gewesen.
Getriebeöl/Difföl: Was fürs Motoröl gilt, gilt auch für Getriebe und Diff. Man sollte die Intervalle stark verkürzen, um auf sicherer Seite zu sein.
Zu 2.:
Wer Rennstrecke fahren will, sollte sich ein Schwallblech in die Ölwanne schweißen lassen. Mehrere unabhängige Menschen, die mit dem S2000 echte Rennerfahrung haben, rieten das bisher. Ihnen sei ohne Blech nicht nur ein Motor hops gegangen ist. Wenn man so ein Blech nicht hat, aber selbst schon so schnell ist, dass es relevant wird: Vielleicht Kuppen besser nicht auf letzter Rille nehmen und dafür sorgen, dass Ölstand auf Max (oder bissl drüber?!?) ist, um die Wahrscheinlichkeit des Luftansaugens zu minimieren.
Zu 3.:
Die OEM-Bremse bremst sicher und dauerhaft. Aber dabei wird die so heiß, dass die OEM-Bremsbeläge vom allerfeinsten verschleißen, weshalb man hier recht schnell zu tunen beginnt. Wechsel auf andere Bremsbeläge (Pagid R29, HT10, DS2500, DS3000, Endless) verschafft hier Abhilfe. Dann ist das schwächste Glied nicht mehr der Belag, sondern die Scheibe. Klar, dass die dann keine 80.000km mehr hält und besser eher mal Zuwendung/Erneuerung erfahren sollte. Wer mit Scheiben nahe Verschleißgrenze auf die Renne geht, macht was falsch.
zu 4.:
Ich hatte die Achsbuchse "vorn unten hinten" kaputt. Habe in dem Zuge alle Buchsen der Vorderachse getauscht. Es war aber nur diese eine kaputt. Alle anderen waren top in Ordnung. Radlager: Nur vorn rechts ist noch original. Alle anderen waren inzwischen fällig. Wobei ich die hinteren auf Verdacht vorzeitig hab tauschen lassen. Lediglich vorn links ging tatsächlich konventionell kaputt.
Bei allen Punkten kann man mit sinnvollem Tuning natürlich die Limits (auch beim Verschleiß) verschieben. Aber ums Tuning sollte es hier ja nicht gehen. OEM war gefragt.
Wenn man mich also zur Rennstreckentauglichkeit bei OEM Zustand befragt:
Es gibt (wie bei jedem Auto) Randbedingungen, die man beachten MUSS! Wenn man das aber macht, dann steht dem Spaß eigentlich nichs entgegen. Wobei ich es aber auch echt schön finde, wenn man sagt: Mir ist der S2000 zu schade dafür. Bei mir ists son Wechselspiel: Einerseits tut er mir leid, andererseits ists n Jammer, wenn man dieses fantastische Auto nicht ab und zu mal RICHTIG fahren kann. Denn eines ist klar: ALLES, was man auf öffentlichen Straßen mit dem Auto machen kann, ist Kindekacke gegen das, was einem die Rennstrecke geben kann. Ein paar Sträßchen in Schwarzwald und Alpen mal ausgeklammert.