Jetzt werden drüben Ellie, Speedster und Co besprochen. Kommen ja doch n paar ganz realistisch bewertende Stimmen hoch. Ich finde die Diskussion hat einen sehr sachlichen Grundton bekommen. Macht Spaß zu lesen!
Ich kann da drüben ja nicht posten. Daher mach ich das mal hier, denn einige da drüben lesen ja auch hier mit. Ich will mal die Aussagen, die den S2000 betrafen, n bissl kommentieren.
Wer nicht gern viel liest... hört jetzt hier auf!
Zitat
Geschrieben von AU320 im SLK-Forum:
Gut möglich, dass der S2k in engen, aufeinanderfolgenden Kurven eine deutlich bessere Performance bietet als der SLK, vor allem durch die sehr direkte Lenkung, bei der ich im SLK mit dem drehen des LKW-Lenkrades und den höheren Einschlägen nicht hinterherkomme
Na an dem "nicht-mit-dem-Lenken-hinterher-kommen" liegt das ganz bestimmt nicht. Das Lenkrad ist zwar groß. Aber ja dennoch gut zu bedienen. Viel Lenkwinkel braucht es ja eigentlich auch nicht, solange man nicht gerade Spitzkehren hat. Beim S2000 kann man ausser bei Spitzkehren alles fahren, ohne die Hände am Lenkrad woanders hinbewegen zu müssen. Kommt mal das Heck, reicht meist auch die Lenkraddrehung ohne umzugreifen aus. Das wird beim SLK vermutlich nicht vergleichbar sein. Aber das ist bestimmt nicht der Grund, weswegen es einen nennenswerten Nachteil geben sollte. Ob ein SLK im Serienzustand nun sooo unglaublich viel langsamer ist, wage ich gar nicht abzuschätzen. Fakt ist aber, dass im Gefühl, dass das Fahrzeug dem Fahrer dabei vermittelt, Welten große Unterschiede bestehen. Der serienmäßige SLK350 (mit Benz-Sportfahrwerk), den ich gefahren habe, vermittelte unglaublich wenig Präzision. Man gibt einen kurzen Lenkimpuls hinein und das Auto ist 3 Sekunden damit beschäftigt. Die erste Sekunde merkt man, wie die Reifen in die neue Richtung wollen, Fahrwerk aber einknickt und die Karosserie träge dagegen wirkt. In der zweiten Sekunde geschieht der Richtungswechsel, in der dritten Sekunde schwingt sich die Karosserie auf dem neuen Kurs ein. Ich will nicht sagen... dass es schaukelnd wäre... eher irgendwie unglaublich indirekt. Sauber beherrschbar, aber keineswegs leichtfüßig. Beim S2000 erfolgt mit dem ersten Millimeter Lenkraddrehung schon der Richtungswechsel. Jeder kleine Input am Lenkrad wird sofort umgesetzt. Auch beim S2000 kommt es zum leichten Rollen um die Längsachse. Dies ist aber durch die recht harten Stabis gering und durch den wohl tieferen Schwerpunkt sowie das etwas geringere Gewicht und die natürlich straffere Abstimmung für den Fahrer kaum zu sehen. Geschweige denn zu spüren. Es ist kartiger. Ob das jetzt im direkten Vergleich bedeutend schneller ist? Mein Stiefvater auf einer BMW K1200RS mit Schaukelfahrwerk zieht auch alle Kurvenspeeds mit, wenn ich mit meiner extrem straffen Kawasaki ZX-7R vorweg ballere. Nur was erlebt er dabei!? Wie kämpft er damit? Im SLK empfand ich das so, als lenke ich ausschließlich, um zu lenken. Im S2000 lenke ich, um zu lenken UND den Fahrbahnzustand zu spüren. Beim SLK spürte ich nicht, was jedes einzelne Rad gerade so auf dem Asphalt tut. Beim S2000 habe ich das Gefühl, ganz genau zu spüren, wo sich welcher Grenzbereich gerade ankündigt. Und das, ohne dass einem das Überrollen einer 1 EUR Münze die Plomben ausschlägt. Einen Zustand, den ich übrigens noch in keinem der vielen probegefahrenen Autos so erlebt habe. Es ist gar nicht mal der Kurvenspeed, der die Faszination ausmacht. Es ist das WIE!
Jemand schrieb mal, es fühlt sich an, als fahre der S2000 wie auf Zehenspitzen um die Ecken. Wer es erlebt hat, wird diese Aussage zu bestätigen wissen. Du bist am Griplimit, hast ganz genau den Punkt eingestellt, in dem Du binnen winziger Impulse ins Auto (Lenkung und/oder Gas) zwischen Untersteuern und Übersteuern wählen kannst. Du tänzelst im engen Grad der Neutralität und bestimmst Deinen Kurvenradius damit. Wie bei einem Skalpell folgt die Klinge den feinen Inputs des Fahrers. Beim SLK geht das in der Indirektheit des Gesamtpakets unter. Es erschien mir nicht erlebbar, dieses Gefühl. DAS ist für mich der Grund, wieso der S2000 so reizvoll ist. Hätte er nur 200 PS, wären es nur 220km/h Topspeed und nur 8 Sekunden auf 100... kein Ding... solange das Auto diese Direktheit und dieses messerscharfe Feedback bringt. Es ist der Spaß beim Kurvenfahren, der hiermit erschlossen wird... der unter anderem bewirkt, dass ich mein Mopped lieber in der Garage lasse und mit dem S2000 Kurven räubern gehe! Und genau das habe ich bei all den anderen Autos nicht wirklich vermisst, solange ich nicht wusste, dass sowas so geht!
Kommen ich gleich zum nächsten Punkt. Vorher sei noch gesagt, dass man das Spiel wohl mit einem Rollentausch genauso machen kann, wenn ein Ellie-Fahrer in einen S2000 steigt. Dass auch der S2000 im Serientrim ein Kompromiss zur Alltagstauglichkeit ist, sieht man daran, was Ellie-Fahrer berichten, die in einen S2000 steigen. Die vermissen dort auch eine Leichtfüßigkeit, die sie in der Ellie kriegen. Dagegen wirkt der 450kg schwerere S2000 wie ein Panzer.
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AU320 schreibt, er habe Eibach und Koni Gelb drin. Sicher ist das dann mal bissl was anderes als das was Stuttgart da serienmäßig "spendiert". Wobei Koni Gelb wohl eher die Ausnahme ist? IMHO sind die doch ziemlich hart. Aber wieso wird immer versucht, die Qualität des Fahrwerks an der Härte zu beurteilen?!? Da gibts ja noch ein paar mehr Kriterien. Ungefederte Masse? Fahrwerksgeometrie? Fahrzeuggewicht? Federkennlinie? Zugstufe? Druckstufe? Ich finde, das ist alles ist ein bissl komplexer als es sich anfühlt. Ich habe wirklich schon sehr viele potente Fahrzeuge aus deutschen Landen probegefahren. Jedoch habe ich bei meinen ersten Kilometern mit dem S2000 gestaunt, dass man so große Lenkpräzision und Straßenfeedback mit noch so viel Alltagskomfort zusammen bringt. Ich finde das S2000-OEM-Fahrwerk der neueren Versionen ganz und gar nicht hart. Da kann man den ganzen Tag lausige Straßen fahren und kriegt es nicht mit der Bandscheibe. Man kriegt auch nicht die Macke... alles ganz im Rahmen. Sicher ist solch ein Empfinden relativ. Wenn ich so überlege, was VW da so als Sportfahrwerk verkauft... DAS IST TEILWEISE SCHON VERDAMMT HART! Da kriegt man bei ner lausigen Kopfsteinpflasterstraße nach 2 Minuten die Macke. Ist mir im S2000 noch nicht passiert. Auch nicht meinen Beifahrern. Ich finde, mit dem Irrglauben, der aktuelle S2k wäre rückenschädigend hart, kann man mal aufräumen. Ebenso wie man damit aufräumen sollte, dass sportliche Fahrwerke hart sein müssen. Jeremy Clarkson unkte mal rum... "Yeah... it has got no suspension... it's sporty!!! This is sporty!!!" Er verhöhnte damit einen Z4 im Vergleich zum Boxster und S2000. Vergleicht man die alten S2000 mit den neueren, so ist der neuere S2000 weicher geworden, bedeutend weicher! Und wer will es glauben... auch schneller! Bissl mehr Grip, mehr Beherrschbarkeit in Extremsituationen. Denke das ist Beweis genug, dass Sportlichkeit nicht die schiere Härte sein muss.
Denjenigen hier bei uns glaubend, die im S2k ein D66- oder Bilstein PSS9-Fahrwerk eingebaut haben, geht das Fahrwerk NOCHMAL um Längen besser zu machen, ohne dass es bretthart wird! Der S2000, der sich im Serientrim bei schnell gefahrenen und unebenen Kurven gern nervös im Heck anfühlt, soll dann obendrein noch satter auf der Straße liegen. Sicher eine Investition, die sich lohnt, wenn man denn in diese Sphären vordringt.
Zitat
Geschrieben von AU320 im SLK-Forum:
aber auf einer normalen Landstraße (oder abgesperrter Strecke) bei Kurvengeschw. zwischen 120 und 220 kmh, bezweifele ich stark, dass ein s2k satter liegt, als ein entsprechend Fahrwerksgetunter Slk.
Wenn Du jetzt Tuning hinzuholst, dann lassen sich viele "Nachteile" wett machen. Gar keine Frage! Ich würde auch bestätigen, was AU320 vermutet. Die serienmäßigen S2000 haben von der gefühlten "Sattheit" auf der Straße in den Bereichen 120-220 km/h in Kurven nicht ihre gefühlte Stärke. Das Heck ist leicht. Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass sich der Koni-SLK da sehr gut schlägt, was das Gefühl angeht. Schmeißt man in den S2000 hinten Gepäck rein, so das das Heck schwerer wird (oder man baut einen Flügel hinten drauf, was zuweilen scheiße aussieht), so egalisiert sich unsatte Gefühl. Eigentlich müsste man aber auch einen fahrwerksgetunten S2000 ins Rennen werfen. Da ist genau diese Schwäche recht schnell mit gebannt.
Inwieweit sich nun der hier oder da gefühlte Vorteil auch in der tatsächlichen Geschwindigkeit darstellt... das kann man nur durch einen direkten Vergleich ermitteln. Da liegt der Schwanzvergleichsgedanke schon wieder nah... und mir doch recht fern!
Die guten Rundenzeiten trotz nur 240 PS und ja so wenig Drehmoment und eigentlich auch miserablem cw-Wert kommen aber dennoch zustande. Und das liegt am sehr sehr schlüssigen Gesamtkonzept. Da geht es nicht darum, irgendwie ein hübsches Auto hinzubrutzeln und dann so viel Motorleistung zu spendieren, dass da Fahrleistungen raus kommen, die der gewünschten Platzierung des Produktes am Markt genügen. Da ging es einstmals bei der Entwicklung darum, Rennsport-Feeling für die Straße zu bauen. Und darum sind die "nur" 240 PS aufgrund des Hochdrehzahlkonzeptes und des darum entwickelten Fahrzeuges für mehr gut, als andere Autos mit gleicher Leistung. Und das, obwohl das Auto auch noch bedeutend weniger kostet, als Autos, die rein von den Fahrleistungen oder sagen wir gerne auch Rundenzeiten auf Rennstrecken ebenbürtig sind. Ich denke, darauf sind wir hier auch alle stolz. Wer den S2000 kennt, weiß, dass da nicht alles Gold dran ist. Es ist ein Roadster, und damit ein Kompromiss, den wir aber alle eingehen wollten. Aber es ist ein sehr zuverlässiges Auto mit einem großen Potential sowie unglaublch viel Spaß fürs Geld.
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*grmpf*