ZitatOriginal von MB 23
Du argumentierst, dass ein Album beispielsweise nur noch 5 Euro kosten soll und nicht mehr 20 Euro. Soweit ich richtig informiert bin, haben aber bei einer CD bisher schon die reinen Produktionskosten der Scheibe höchstens ein paar wenige Euro ausgemacht, wenn überhaupt. Beim Buch sind die Produktionskosten auch nur ein kleiner Anteil. Englische ebooks kosten nach meinem Eindruck auch genau um dieses bisschen weniger als richtige Bücher. In Deutschland hat man halt diese insgesamt in meinen Augen auch für physische Bücher überholte Buchpreisbindung.
Zahl 5 EUR war aus der Hüfte geschossen. Und wenn Du jetzt nochmal ermittelst, wieviele Cent beim Verkauf einer CD an den Künstler gehen, dann findest Du die Zahl, die bei der Verwertungsindustrie landet. Ich schieße nochmal eine Zahl aus der Hüfte: 80% des Gewinnes. Vielleicht liege ich falsch. Dann aber sicher nur um 20%.
ZitatOriginal von MB 23
Für mich ist eine wesentliche Frage, hat derjenige der was verkaufen will das Recht zu bestimmen wieviel er für sein Produkt verlangen möchte oder nicht? Ich meine er sollte dieses Recht haben. Wenn ich das Album vom Plattenkonzern Star für 20 Euro nicht will und kleinere Bands durch Direktvermarktung was nettes für 5 Euro anbieten, dann kann ich zu denen gehen. Und wenn das genug Leute machen, ändert sich die Welt von alleine, aber ohne umgekehrten Zwang.
Ja, wozu brauchen wir dann ACTA?
ZitatOriginal von MB 23
Die Piraten sagen scheinbar, nein dieses Recht hat er nicht, der Preis muss Null sein (so interpretiere ich zumindest freies Gut). Dann ist meine These, dass man es sich dann z.B. auch sparen kann noch Filme mt einem Budget für 100+ Mio. zu produzieren.
Richtig, das würde unter Deinen Annahmen nicht funktionieren.
ZitatOriginal von MB 23
Wenn der Kompromiss sein soll, dass man noch Geld verlangen darf, aber es muss weniger sein als früher, stellt sich mir die Frage, wer soll das festlegen? Irgendeine übergeordnete Stelle? Klingt mir zu sehr nach Planwirtschaft und das ist schon öfter schief gegangen.
Das ist nicht der Kompromiss. In der oben angefangenen Diskussion gehts primär erstmal darum, dass man der Verwertungsindistrie nicht per Gesetz ihr - warum auch immer - nicht mehr funktionierendes Geschäftsmodell wieder halbwegs funktionierend hinwixxen muss.
ZitatOriginal von MB 23
Ich verstehe schon wo du herkommst, nur führt das halt meiner Meinung nach stringend durchdacht auch zu ziemlich Problemen und die super Lösung habe ich leider auch nicht
Die fertige Lösung liegt auch derzeit nirgendwo. Die Piraten machen den einen Unterschied, dass sie dieses Thema aufdröseln und nach Lösungen suchen... sich mit dem Ungleichgewicht und der lobbygeschwängerten Richung nicht abfinden. Wohingegen anderswo scheinbar nicht mal im Ansatz dazu ein Gedanke aufgewendet wird. Siehe Aussage von Bosbach. Er hat scheinbar noch nicht mal im Ansatz versucht, den Gedankengang zu gehen, den Du gerade tapfer gehst.
Und weil Du ja nach Lösungen, oder wenigstens Lösungsideen fragst, dann lies doch mal wenigstens die von den Piraten diskutierten Lösungsansätze. Denn dass es keine Alternativen gibt, das stimmt nicht. Vielleicht sollten die Künstler selbst entscheiden. Und nicht deren Zuhälter.
Der Link von oben...
http://wiki.piratenpartei.de/Argumentation#Urheberrecht
... und dann etwas runter scrollen zu den Fragen:
"Die Piraten sind für eine Abschaffung des Urheberrechtes."
"Wie sollen die Künstler dann überhaupt noch zu Geld kommen?"
"Ihr müsst euch entscheiden: Wollt ihr, dass alles frei verfügbar ist, oder dass die Künstler Geld verdienen können?"
Ist ja nicht viel Text... kann man ja mal lesen
Denn es ist nicht immer alles so schwarz oder weiß, wie es die Medien überliefern. Und beim Lesen nicht vergessen, dass sich das geschriebene immer ausschließlich auf das Internet bezieht. Die Aussagen eliminieren nicht explizit die altgedienten Rechte der "realen" Welt.
Ich möchte die einzelnen Ansätze zum Thema Urheberrecht an dieser Stelle überhaupt nicht bewerten. Und ich sage auch nie, dass die Piraten die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Meine Motivation, darüber zu reden bzw. zu schreiben, liegt anderswo. Oft ärgert es mich, dass das von den Medien bewußt nur selektiv vermittelte Bild zum Maßstab wird. Es beißt die Maus keinen Faden ab: Die CDU lässt in diesen wirklich nicht einfachen Fragen des nicht von der Hand zu weisenden Reformbedarfs null Kompetenz blitzen. Ja, sie haut einem statt dessen ein Brett nach dem anderen vor den Kopf. Und stets lässt sich die Motivation kaum nachvollziehen, bzw. man landet schnell wieder bei irgendeiner Lobby. Die großen Parteien haben ein massives Nachwuchsproblem, das sie besser gestern als morgen gelöst hätten. Das kommt nicht von ungefähr. Wie auch vieles Anderes nicht von ungefähr kommt. Ich finde, wann immer etwas thematisiert wird, ob nun "nur" im Bundestag, oder eben auch in der breiten Öffentlichkeit, so entsteht bei allen Teilnehmern Fortschritt. Und Fortschritt ist dringend notwendig, wenn ich mir den Muff und den fragwürdigen Stil der hohlen Phrasen in der Politik zwischen den Wahlen so angucke. Nicht nur in der Netzpolitik... egal wo man hinschaut... Flickwerk und Machterhalt. Und da sind mir so ein paar komisch anmutende Nerds, die die eingelaufenen Trampelpfade aufbrechen und Bewegung in alle Parteien bringen, echt lieb. Mehr ist's dann auch erstmal nicht.
Allein die Tatsache, dass so komische Sachen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen in ein Parteiprogramm aufgenommen werden, führt dazu, dass sich Grüne und SPD und CDU damit auch auseinander setzen müssen und Position beziehen müssen. Das nötigt man denen damit schlicht auf. Und schon bewegt sich was. Da soll mir mal einer sagen, das wäre nicht im Sinne des Volkes.
Urheberrecht ist eine Sache. Bei den Patenten geht der nächste Batzen Probleme los. Ich habe meinen Fokus jedoch selbst gar nicht auf diesen Punkten. Mich stört primär der Stil, mit dem etablierte Politiker ihren Auftrag erledigen. Der Stil, mit dem Parteien mir erzählen, was wichtig ist. Und ich fühle mich oft als dumm verkauft. Ich glaub, da stehe ich gar nicht so allein da.


