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Original von MB 23
Ich habe momentan weder Zeit noch Lust mir die Links anzugucken. Falls du Lust hast, schreib doch mal auf, was aus deiner Sicht der Kern des Problems ist. So völlig ohne mich mit dem Zusammenhang beschäftigt zu haben, finde ich das Zitat vom Bosbach jetzt nicht so schlimm.
Grundsätzlich ist das Thema "Urheberschutz" bzw. Urheberrechte versus moderne digitale Medien ein kompliziertes Thema, was man nicht in zwei Sätzen darlegen kann.
Man kann als Zusammenfassung zu ACTA das hier mal überfliegen:
http://www.stopp-acta.info/deutsch/fakten/fakten/fakten.html
Damit hat man aber den kern nicht verstanden.
Wenn einen die Nummer mit der Problematik des altgedienten Urheberechtsgedanken versus heutige Anforderungen interessiert, kommt man im Wiki der PP denke ich recht schnell an eine Ahnung:
http://wiki.piratenpartei.de/Argumentation#Urheberrecht
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Wir stehen an der Schwelle zum Informationszeitalter und viele Menschen haben offensichtlich noch nicht begriffen, was das bedeutet: Information ist entweder ein Geheimnis oder ein freies Gut, das sich nicht zu wirtschaftlichen Zwecken verknappen lässt. Den daraus folgenden Herausforderungen stellen wir uns, anstatt sie zu leugnen.
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Der Verkauf von nicht geheimen Informationen im Informationszeitalter ist kein funktionierendes Geschäftsmodell. Es ist nicht Aufgabe des Staates, durch völlig unverhältnismäßige Gesetze und Kriminalisierung veraltete Geschäftsmodelle künstlich aufrecht zu erhalten und den Strukturwandel zu behindern.
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Die Aufgabe und der Zweck der Verwerter- und Vertriebsindustrie war es ursprünglich, den Zugang zu Informationen (durch Herstellung und Vertrieb von Büchern und Schallplatten) überhaupt erst zu ermöglichen. Heute kämpft diese Industrie an allen Fronten daran, den Zugang zu Informationen zu verhindern (Regionalcodes auf DVDs, Entwicklung von DRM/Kopierschutz, Kriminalisierung und Verfolgung von Tauschbörsennutzern). Durch starke Lobbyarbeit ist es der Verwertungsindustrie gelungen, das Recht auf Privatkopien immer weiter zu beschneiden, während gleichzeitig eine Ausweitung der Urheberabgaben erfolgte (z. B. auf USB-Speicher und SD-Karten). Ähnlich sieht es bei dem Recht auf Kopien zu Bildungs- oder Forschungszwecken aus.
Grundsätzlich ist der Kern:
Das altgediente Urheberrecht ist für die Belange der digitalen Medien nicht entwickelt worden und praktisch in diesem Bereich aufgrund der "Beschaffenheit" nicht ohne intensive Überwachung möglich bzw. durchsetzbar. Das hatten wir schon mal... als die Musikkassette aufkam. Damals war die Lösung: Privatkopien wurden legalisiert. Nun ist das heute alles technisch ein wenig komplizierter, und dafür sollten Lösungen her... die können aber nicht mit Scheuklappen und unter "analogen" Maßstäben entstehen. ACTA z.B. lässt sehr viel Interpretationsspielraum. Als kleiner Mann hat man nicht die Mittel, sich in den Grauzonen solcher Regelungen dem Willen und der Auslegung der großen Industriellen zu behaupten. Wünschenswert sind klare Definitionen, die in der Praxis auch gelebt werden können.
Da ist einfach Reformbedarf.
Was aber passiert statt dessen?
Die Industrien (Pharma, Musik, Film etc.) nehmen hinter verschlossener Tür Einfluss auf die weitestgehend "unwissenden" Politiker, um sich das so hinzubiegen, dass sie irgendwie so weiter machen können, wie bisher. Tatsächlich hat aber die Industrie in der Vergangenheit eine Fehlentscheidung getroffen: Sie haben auf altgedientes Urheberrecht gepocht, anstatt die neuen Möglichkeiten zu erkennen und als Chance zu verstehen. iTunes macht z.B. super Umsätze mit legal verkaufter Musik. Da gibt es einen großen Markt, den sie unterschätzt oder verteufelt haben. Apple z.B. war da schlauer und steht blendend da.
Nun haben die Musiklabels und Filmindustrie das zusätzliche Problem, dass sie ein Stück weit überflüssig werden. Künstler können heute aufgrund der neuen Möglichkeiten des Internets (Youtube, eigene Webseiten, Portale, iTunes, Amazon) viel einfacher ihren Krams selbst vermarkten, und dann einen viel größeren Anteil des Erlöses selbst einnehmen, da eben nicht der Großteil an den Verlag bzw. das Label abgetreten werden muss.
Jan Delay z.B. hat kürzlich folgendes gesagt:
http://2l4m.blogspot.com/2011/11/news-j…aschinerie.html
Ja hat der denn zu viel Gras geraucht?!?
Ich selbst konsumiere keine heruntergeladenen Filme, ich gehe in die Videothek, oder kaufe BluRays. Kino ist ziemlich out, zu hause klingts besser und ist schärfer. Doch eine Sache, die ich von vielen Freunden auch oft höre: Die Filmindustrie sagt, ihr gingen horrende Gewinne flöten, weil Menschen Filme herrunterladen. In meinem Freundeskreis kaufen alle gerne Filme auf DVD/Bluray, wenn sie die gern zu Hause stehen haben wollen. Filme, die dann tatsächlich heruntergeladen werden, werden nur konsumiert, weil sie "kostenlos" zu haben sind. Gäbe es die nur gegen Entgelt, oder gegen zu hohes Entgelt, würden sie sie schlicht nicht konsumieren. Das bedeutet, durch den Download ist in der Praxis oft gar kein Gewinn eingebüßt worden.
Ich erwarte von Politikern einfach:
Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.
Dass da dann im Lobby-Umfeld was gestrickt wird, was stillschweigend einfach durchgereicht wird, möglichst noch so, dass es eingetütet ist, BEVOR die Bevölkerung davon Wind bekommt... sowas kanns einfach nicht sein. Von den Inhalten von ACTA wurde ja erst was bekannt, als das jemand "geleaked" hat, also "widerrechtlich" (bewußt in Anführungsstrichen) öffentlich gemacht hat. Sehr demokratisch.
Eins noch zu dem Bild von Stefan über Kim Schmitz und dem vergewaltiger. Das Bild ist auch ein Stück weit populistisch, weil der vergleich irgendwie hinkt. Kimbles Taten sind auch nicht astrein... der taugt als Vorzeigeobjekt nicht. Letztlich ists aber trotzdem komisch, dass jemand bis zu 50 Jahre Haft wegen Urheberrechtsverletzungen bekommen KANN. In welchem Verhältnis lässt sich sowas vermitteln? Das kann man wenigstens schon mal merkwürdig finden.