...die schnellen 45 Minuten...
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Der Aufforderung der Renault Nissan Deutschland AG zur Probefahrt eines Nissan 350Z sind wir heute umgehend nachgekommen. Nachdem der erste Nissan Händler im Mannheimer Raum eine telefonische Probefahrt auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben hat („Wir haben diese Woche einen bekommen, der ist aber nur im Schauraum, wann der andere kommt wissen wir nicht... Wenn der da ist, dürfen Sie sowieso nicht allein fahren...“) hab ich dann zusätzlich beim Autohaus Kiener in Ladenburg angerufen. Der Chef meinte lapidar am Telefon: „aber 2 Stunden Probefahrt sind zu lang, dann sind da ja sofort 300 KM drauf“, sagte dann aber zur Probefahrt ab 9 Uhr zu.
Und so sind wir heute um 9:15 Uhr pünktlich erschienen. Das erste was Nora gesagt hat, als wir die Rückansicht des orangefarbenen Nissan sahen: „Man sieht der gut aus...“. Also war auch das Beifahrereis umgehend geschmolzen.
Da sich um 9:30 bereits der nächste Aspirant Interesse zur Probefahrt angemeldet hatte (der dann aber irgendwie doch nicht aufgetaucht ist [wahrscheinlich nur eine Finte des Chefs, damit wir schneller wieder da sind], hatten wir keine Zeit zu verlieren und sind gleich mal Richtung Odenwald losgefahren. Lenkrad (inkl. Armaturenträger), Spiegel und Sitz eingestellt (sehr bequem, da elektrisch [Aufpreis]) und los ging die Fahrt. Das Raumgefühl die ersten Meter hat mich sehr an einen TT erinnert. Man sitzt ein wenig wie in einer Burg – die Türen sind zwar nicht ganz so hochgezogen wie beim Audi, jedoch sitzt man schon ein wenig wie in einem Käfig. Das Sichtfeld ist recht niedrig, da das Dach sehr früh beginnt. Das erzeugt nicht unbedingt ein negatives Gefühl, jedoch ist dies in keinster Weise mit dem S zu vergleichen. Einfach ein andere Klasse von Fahrzeug.
Auf dem Tacho waren 140 Kilometer! Demzufolge bin ich ihn erst einmal vorsichtig warmgefahren. Dadurch blieb Zeit, sich ein wenig im Innenraum umzusehen. Das Orange des Lacks ist wirklich sehr schön anzuschauen, die mit der gleichen Farbe im Inneren versehenen Akzente (Ledersitze, Teil des Lenkradlederbezugs, Teile in den Türen) in Verbindung mit dem schwarzen Kunststoff und den zahlreichen Aluminiumapplikationen waren mir dann aber doch ein wenig zu viel Farbe. Der Innenraumdesigner scheint doch sehr vom TT inspiriert zu sein. Die Komfortfunktionen sind schon klasse:
# Bose Soundanlage (ungetestet)
# CD Wechsler
# Klimaautomatik
# Sitzheizung (Außenspiegel bestimmt beheizbar)
# Tempomat
# Telefon Freisprecheinrichtung, Radio und Tempomat am Lenkrad steuerbar
# Aussentemperaturanzeige ...
Die Sitze haben einen guten Seitenhalt im Bereich der Rücklehne, die Oberschenkel hingegen sind im Vergleich zum S bei höherer Querbeschleunigung nur unzureichend geführt. Hat eher so ein wenig das Sitzgefühl einer Limousine. Das ist auf längeren Strecken eventuell bequemer, in der Kurve rutscht man dann aber doch deutlich hin und her. Die drei Zusatzinstrumente in der Mitte des Armaturenbretts sind eine gute Sache, jedoch gibt es leider keine Öltemperaturanzeige (oder hab ich das einfach nicht im Bordcomputer gefunden
?). Es gibt dafür jedoch eine Öldruckanzeige, ein Voltmeter und einen Bordcomputer. Die Verarbeitungsqualität ist auf den ersten Blick sehr gut. Nur bei genauerem Hinsehen und Anfassen wird deutlich, dass irgendwo ja gespart werden muss. So klapperte im Armaturenbrett bei 4.000-5.000 Umdrehungen irgendwas mit. Die Taste zum Öffnen der Klappe, die den Stauraum über dem Audiobereich verschliesst, ist ein wenig „lummelig“.
Zurück zum eigentlichen Fahren. Man fährt ein grosses und schwereres Auto. Ein Auto, dass wie schon oben beschrieben eine Klasse größer ist als der S. Dieser Eindruck ist allgegenwärtig. Das Geschwindigkeitsgefühl trügt viel mehr als beim Honda. Der Nissan zwingt zur Tachobeobachtung, da die Geschwindigkeit unspektakulär zunimmt. Es fehlt mir ein wenig die Verbundenheit zur Aussenwelt. Das mag natürlich auch daran liegen, dass ich den Wagen noch nicht gewohnt bin, jedoch war beim S bereits nach 10 min ein GoCart-Feeling da, dass ich beim Nissan auch nach 45 Minuten nicht hatte.
Der Sound ist wirklich einfach super. Kernig bei der Leistungsabgabe, ruhig und komod beim Dahingleiten. Das Coupedach erlaubt wirklich ein ruhiges, komfortables Autobahncruisen. Der 6-Gang Schaltknüppel liegt gut in der Hand, jedoch sind die Schaltwege im Vergleich zum S deutlich länger. Zudem lässt er sich nicht so flüssig schalten, beim S rutschen die Gänge einfach leichter rein. Der Motor gibt seine Leistung zwischen zwei und fünftausend Umdrehungen gerne und gleichmässig ab. Mehr als 5.000 wollte ich dem jungen Motor noch nicht zumuten. Unter 2.000 jedoch scheint er so etwas wie eine Anfahrschwäche zu haben. Das legt sich aber bestimmt noch mit mehr Kilometern auf dem Buckel.
Die Lenkung gibt trotz montierten 18 Zöllern keinen Anlass zur Kritik, direkt, zielgenau, einfach einfach! Das Einlenken in Kurven macht ne Menge Laune, ein wenig zu viel Geschwindigkeit und der Wagen beginnt leicht untersteuernd über die Vorderräder zu schieben, ein wenig zuviel Gas und bei abgeschaltetem ESP meldet sich das Heck. Alles in allem sehr gut beherrschbar. Allein bei geringen Geschwindkeiten und sehr engen Kurven könnte die Servolenkung ein wenig mehr Unterstützung anbieten. Die Kurvenhatz macht auch mit dem Nissan Spass, es ist aber doch eher ein limousinenhaftes Fahrgefühl (nicht zwangsläufig langsamer als der S).
Nach etwa 45 Minuten haben wir dann brav den Nissan wieder beim Händler abgestellt. Vielen Dank an dieser Stelle für die Fahrgelegenheit Herr Kiener!
Fazit von uns beiden:
Der Nissan 350 Z ist ein schnelles, komfortables, einfach schnell zu fahrendes Sportcoupe, dass jedoch nicht in der gleichen Liga wie der S spielt.
Der Nissan ist ideal für Menschen, die bequem, sicher und schnell fahren wollen. Der S2000 ist ein offener Roadster, der durch den engen Kontakt zwischen Umwelt-Mensch-Maschine eine Menge Fahrspass bereitstellt. Einfach mehr Fahrspass. Der Nissan ist ein Fahrzeug, dass Nora und ich uns mit 45 kaufen würden.
Keine Zugluft, ausreichende Fahrleistungen bei allem Komfort für wenig Geld.
Ich freue mich auf die Nissans im nächsten Jahr, optisch ein neuer Hingucker wird er sicher Erfolg haben.
Eine Frage bleibt jedoch nach der Probefahrt:
„Wo um alles in der Welt findet man den besch##### Kofferraumöffner??“
Nick'n Nora